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Quelle Schwabacher Tagblatt auch unter nordbayern.de http://www.nordbayern.de/region/schwabach/ein-genussvolles-vergnugen-1.1614668 Anatevka in Rednitzhembach: Theaterverein gelang überzeugende Premiere - 28.10. 08:15 Uhr
Ein genussvolles Vergnügen
REDNITZHEMBACH - Auf einen erfolgreichen Premierenabend hat der Theaterverein Rednitzhembach geblickt. Monatelanges Proben und Mühen hatten sich für das große Ensemble mit rund 35 Mitwirkenden um Spielleiter Jörg Deffner (Regie zusammen mit Susanne Herrmann und Jochen Rößler) sowie Heinz Röttenbacher (Vorsitzender) gelohnt.
„Anatevka“ - Theater-Vergnügen Der Theaterverein Rednitzhembach wagte sich an einen Klassiker und überzeugte mit eindrucksvollem Bühnenbild, gesanglichem Niveau und Livemusik durch die Jugendkapelle Rednitzhembach: „Anatevka“ spielt in einem gleichnamigen jüdischen Dorf im Russland des beginnenden 20. Jahrhunderts. Eine Zeit voller Umbrüche. Bei der Premiere der neuen Theater-Produktion „Anatevka“ konnte das Publikum eine eindrucksvolle und nachhaltig wirkende Fassung des bekannten Musicals erleben. Hierwar nämlich nicht nur ein hohes Maß an schauspielerischem Engagement gefragt, um die jiddische, traditionsverbundene Mentalität der Menschen im kleinen russischen Ort „Anatevka“ vor Augen zu bringen.
Vielmehr verlangte das Musical mit seinen anspruchsvollen Melodien für Chor und Solisten auch gesangliche Qualitäten.
Souveräne Jugendkapelle Dabei erhielten sie durch die Jugendkapelle Rednitzhembach unter der souveränen Leitung von Leonard Meisinger eine absolut zuverlässige musikalische Unterstützung. Stets einfühlsam und rücksichtsvoll agierten die jungen motivierten Musikerinnen und Musiker.
Besonders zu würdigen sei in diesem Zusammenhang auch die aufwändige musikalische Vorarbeit. So musste ein vorgegebener Orchestersatz speziell in einen Bläsersatz umgeschrieben werden, der dazu jiddische Kleszmer-Anklänge mit Geige, Violine und Klarinette zu berücksichtigen hatte.
Große Inszenierung Zusätzlicher Proben musste sich die Schauspieltruppe unterziehen. Erwin Feith formte als erfahrener Chorleiter und Opernsänger so einen harmonisch geschlossenen und wohl artikulierenden Chor mit Temperament und Gefühl.
Einen wesentlichen Part bei dieser großen Inszenierung, die auch viel Liebe zum Detail erkennen ließ, bildeten natürlich die Hauptfiguren. Zentral dreht es sich hier um Tevje, den jiddischen Milchmann (Jörg Deffner) und Vater von fünf Töchtern, der erleben muss, wie die seit Jahrhunderten gelebte Tradition durch seine Töchter und die veränderten politischen Verhältnisse Anfang des 20. Jahrhunderts ins Wanken gerät.
Eindrucksvolle Schauspieler In beeindruckender Weise identifizierte sich Jörg Deffner (der nicht nur als Spielleiter hier glänzende Arbeit geleistet hatte) in Mimik, Gestik, Sprache und schönem Gesang mit der Mentalität seiner Figur. Ihm nahm man seine Zwiesprache mit Gott, sein Hadern, seine Zweifel und seine klugen und gewitzt formulierten Antworten ab, mit denen er sich selbst vor seinem energischen Eheweib Golde zu behaupten wusste.
Heidi Lessner schlüpfte gekonnt in diese Rolle und spielte mit jeder Faser diese Rolle überzeugend mit viel Herz.
Die neuen Zeiten beginnen im Dorf Anatevka, als Tevjes älteste Tochter Zeitel (Sabine Blassmann) den ausgesuchten Bräutigam verschmäht und sich selbst mit festem Willen ihren Bräutigam (den armen Schneider, gespielt von Marco Zinsmeister) aussucht. Wie rettend war doch da der Traum, den Tevje vermeintlich geträumt hat, und der sich eindeutig gegen die Hochzeit mit dem verwitweten, reichen, aber alten Bräutigam, den Fleischer Laar Wolf (Manfred Hollweck) ausspricht. In einer tollen Kulisse wurde hier diese Szenerie packend auf die Bühne gebracht. Doch was bei der ältesten Tochter noch so gut gelingt, kann bei der zweiten Tochter Hodel (Kathi Wick) nicht auch angewendet werden. Sie hat sich den mutigen und modernen Studenten Perchik (Matthias Aigner) ausgesucht, der die Welt in Kiew verbessern will. Da er aber wegen seiner politischen Ideen ins Gefängnis gesteckt wird, wird Tevje nun auch von seiner zweiten Tochter verlassen. Liebreizend und mit einer feinen klaren Stimme wusste Kathi Wick hier ihr Publikum zu begeistern.
Richtig heftig wird es für Tevje, als er merkt, dass seine dritte Tochter Chava (Sandra Koller) sich in einen Christen verliebt hat. Da hört bei ihm das Verständnis auf und er verstößt sie. Ebenso wie der Zar die Dorfbewohner aus ihrer Heimat vertreibt.
Professionelle Präsentation Alles in allem eine beeindruckende Gesamtleistung, bei der sich jeder einzelne Protagonist von klein bis groß stets hundertprozentig mit großem Einsatz engagierte. Mitgetragen wurde das Ensemble von nicht wenigen Akteuren im Hintergrund, in der Technik und von der kaum beschäftigten Souffleuse Karin von Winter.
Damit erlebte das zahlreiche Publikum einen professionell präsentierten, niveauvollen Theaterabend, der durch die musikalische Live-Komponente durch die Jugendkapelle zum genussvollen Vergnügen wurde. |
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„Anatevka“ im Theater Rednitzhembach (Premiere am 22.10.2011)
Die packende und ambitionierte Inszenierung des Theaters Rednitzhembach und der örtlichen Jugendkapelle besticht durch eine sehr geschlossene Ensembleleistung von Schauspielern, Sängern und Instrumentalisten. In einer einfühlsamen Umsetzung des weltbekannten Musicals amüsieren und bewegen liebenswert-skurril gezeichnete Figuren den Zuschauer gleichermaßen. Das pointensichere und authentische Spiel der Darsteller beeindruckt zudem durch gekonntes Timing und mitreißende Spielfreude, angeführt vom hervorragenden Jörg Deffner als Milchmann Tevje.
Neben dem sicheren Auftreten der Protagonisten liegt die Stärke der Aufführung vor allem auch in den stimmig arrangierten chorischen Spielszenen, bei denen die Gesamtheit der Akteure nicht nur darstellerisch und stimmlich, sondern auch durch ein nuanciertes Zusammenspiel überzeugt. Diese Momente entfalten eine derart suggestive Kraft, dass man sich ihrer berührenden Wirkung nur schwer entziehen kann.
Tatkräftig unterstützt werden Schauspieler und Sänger durch den kraftvollen und dennoch sensiblen Einsatz der Jugendkapelle Rednitzhembach in der eigens für diesen Zweck arrangierten Bläserfassung der Originalmusik. Gerade die Verwendung von Blasinstrumenten bietet hier einen deutlichen Mehrwert gegenüber einer sonst üblichen Streicherorchestrierung: Drohenden Momenten von Rührseligkeit und übertriebenem Pathos des Originals wird in Rednitzhembach auch auf dieser Ebene gekonnt entgegengewirkt.
So entsteht aus meiner Sicht eine aus den Zusammenhängen des Amateurtheaters deutlich herausragende Produktion, die die hohe Kunst beherrscht, urkomische Momente und emotionale Tiefe in sich zu vereinen. „Anatevka“ vom Theater Rednitzhembach dürfte auf längere Zeit zumindest regionale Maßstäbe setzen. Absolut sehenswert und kultverdächtig!
Bernd Upadek (Diplom-Kulturwissenschaftler, Leiter des Jungen Theaters Wolfsburg) |
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